HAZ-Ausschnitt

Der folgende Artikel stand in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu lesen:

Ware hält nicht, was sie verspricht

Ausverkauf, Räumungsverkauf, Preisreduzierungen - kaum eine andere Branche scheint so schnelllebig zu sein wie der Handel mit Orientteppichen. Allein in Hannover räumten in den vergangenen zwölf Monaten vier Unternehmen ihre Lager wegen Geschäftsaufgabe. Für die Kunden schien es sich zu lohnen: So wurde beispielsweise in einem Hochglanzprospekt einer Firma ein vier Quadratmeter großer Kazak-Teppich angeboten, der eigentlich 14.500 Mark kosten sollte. Der rote Strich durch den Preis verriet jedoch, dass der Teppich nun bereits für 3.650 Mark zu haben war. Allerdings wird er auch dieses Geld kaum wert gewesen sein. ,,Der Teppich hätte keine tausend Mark kosten dürfen", sagt A. Reza Puyan, einer der letzten drei Besitzer von Spezialgeschäften für Orientteppiche in Hannover, auf Anfrage. Puyan wird von der Industrie und Handelskammer (IHK) als absolut seriös eingeschätzt.

Derlei Beispiele gibt es viele. So wurden auf der Expo in verschiedenen Pavillons Orientteppiche angeboten. Eine Hannoveranerin hatte dort in einem Basar den Verkäufer eines eineinhalb Quadratmeter großen Teppichs aus Ghomseide von 12.000 auf 7.000 Mark heruntergehandelt. Puyan schätzte das Stück anschließend - und kam zu dem Schluss, dass es nur 3.200 Mark wert ist.

Es ist an der Tagesordnung, dass Teppichhändler zum Räumungsverkauf bitten und kurze Zeit später unter anderem Namen oder in einer anderen Stadt wieder aufmachen. Ziel scheint es zu sein, minderwertige Ware unters Volk zu bringen. Den hannoverschen Jahresrekord hält das Unternehmen ,,Ariana". Am 2. Januar war Eröffnung - Mitte Mai begann der Räumungsverkauf.

Kurios ist auch die Geschichte um ,,Docks" in der Marktstraße. Das Unternehmen führte zunächst vor allem Geschenkartikel und machte plötzlich einen Räumungsverkauf für Teppiche. Die Händler von ,,Imperial" hatten der Firma ihre Ware zur Verfügung gestellt - was eine Rüge und eine Geldstrafe der IHK nach sich zog. Gehindert hat dies das Unternehmen aber nicht, die Teppiche scheinbar günstig zu verkaufen.

Wirksam können Kunden vor derlei Machenschaften nicht geschützt werden. "Die Verbraucher müssen selbst wissen, dass kein Unternehmen der Welt seine Ware um bis zu 75 Prozent reduzieren kann", sagt Reinhard Wulff von der IHK. A. Reza Puyan macht am Beispiel eines persischen Teppichs, der 500.000 Knoten pro Quadratmeter aufweist, deutlich, was dieser Teppich im seriösen Handel letztlich kosten müsste. Dieser so genannte Täbriz werde auf dem Hamburger Großmarkt mit 3.000 Mark gehandelt, sagt Puyan. Wenn man Zoll, Transport, Mehrwertsteuer und den Gewinn für den Verkäufer dazu rechne, bedeute dies, dass ein solches Stück für den Kunden um die 10.000 Mark kosten müsse. Danach zeigt Puyan auf einen Hochglanzprospekt, in dem ein angeblich gleichwertiger Teppich für 3.900 Mark angeboten wird. "Die Verbraucher können einfach nicht erkennen, dass es sich um miese Ware handelt", klagt der 35-Jährige. (hau)

[ home ]